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Home Sweet Home-Office

Seit einem halben Jahr betreibe ich täglich zwei anglizismen: Remote-Working im Home-Office. Was im Buzzword-Bingo sicher eine gute Punktzahl einbringt, ist für mich ein wichtiges Thema geworden. Zuhause arbeiten, für ein Office in Berlin.

Im letzten Oktober habe ich den Schritt in die potentielle Einsamkeit gewagt. Vieles hatte ich dazu gelesen, Positives- wie Negatives und eins war immer klar: Home-Office ist was du draus machst. So habe ich beim Umzug in unsere neue Wohnung einen sehr großen Bereich für mein neues Büro reserviert. Nicht in einem eigenen Kämmerchen, sondern mit 3,5qm Schreibtisch im neuen Wohnzimmer mit Aussicht.

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Die größte Sorge die ich bei diesem Schritt hatte, war das fehlende Team. Ich bin ein geselliger Mensch, arbeite gerne mit einem netten Team und bin dabei immer wissbegierig. Was soll ich also im Home-Office, ohne ein Team, ohne die Geselligkeit der Kollegen und die mittäglichen Gespräche zum Lunch? Um es vorweg zu nehmen: ich bereue nichts, im Gegenteil.

Die letzten sechs Monate vergingen wie im rauschenden Flug.

Der neue Job vereinnahmt und begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Das Thema Kaffee belebt meine ganze Wohnung, mein komplettes Leben und auch bereits einige Freunde haben sich mitreißen lassen. Wenn der Job und das Thema so begeistert, stellt die tägliche Motivation kein Problem dar.

Die Vorteile des Zuhause-Büros sind schnell beschrieben. Zum einen hat man deutlich mehr Zeit durch fehlende Anfahrt, da fällt auch bei kurzen Wegen schon gerne mal eine Stunde pro Tag stark ins Gewicht. Laute Musik am Schreibtisch und gerne auch mal lautes Mitsingen ? steigert bei mir deutlich die Produktivität und fehlende Ablenkung im Büro legt noch mal eine ordentliche Portion drauf. Durch Tools wie Slack und Marvel ist das Team auch nur physisch weit entfernt, die Nähe wird hier simuliert 😉

Flexibilität als Motor

Für mich ist aber der wichtigste Aspekt die Flexibilität in der Arbeitszeit. Ich habe eine kleine Tochter, sie ist zwar den kompletten Tag in der Kita, am späten Nachmittag ist sie aber zuhause und ich widme ihr dann gerne für ein paar Stunden meine volle Aufmerksamkeit. Pünktlich im Bett — ja, wir haben so ein Kind — kann ich mich dann wieder an die Arbeit setzen. Das gibt mir nicht nur das Gefühl ein guter Mensch und Vater sein zu können, es ist als hätte man für ein paar Stunden die eigenen Akkus aufgeladen.

Natürlich ist das nicht jeden Tag möglich und auch sowieso nicht jeden Tag nötig. Es reicht aber schon fürs gute Gefühl zu wissen das man könnte, wenn man wollte. Das gleiche gilt leider auch beim Thema Fitness und Bewegung. In der Theorie, könnte ich morgens eine halbe Stunde laufen, Mittags eine halbe Stunde radfahren und ob ich dann schweißstinkend am Rechner sitze, interessiert nur mich und den Postboten. In der Theorie… denn in der Praxis fühle ich mich momentan wie ein Gamer der sich im täglichen Trott befindet. Morgens an den Rechner, abends irgendwann ins Bett. Selbst schuld, dass muss sich in den nächsten Monaten ändern. Ich werde berichten 😉

Produktivität kommt nicht von alleine

Das Thema Home-Office habe ich bereits in den letzten Jahren immer wieder erproben können. Ich habe lange und oft als Freiberufler gearbeitet und musste mich auch da immer organisieren und motivieren. Das spielt mir jetzt natürlich gut in die Karten.

Jeden Montag erstelle ich mir zwei Listen der Aufgaben für die Woche. Eine mit klassischen To-Dos die erledigt werden müssen und eine als Wunschliste, mit To-Dos die nicht nur oft sehr spannend sondern auch motivierend sind. So versuche ich jeden Tag meine normalen To-Dos abzuarbeiten, sobald ich ein wenig Flaute bemerke, nehme ich mir einen Wunschlisten-Punkt und arbeite an diesem. Dieser Modus funktioniert in den letzten Monaten sehr gut, versucht es mal.

Zwischenfazit, oder zumindest der Versuch

Ein richtiges Fazit kann ich gar nicht geben. In meinem Fall läuft alles besser als befürchtet gedacht. Allerdings kann man das niemals auf andere beziehen. Jeder muss für sich entscheiden ob die Nachteile, oder die Vorteile überwiegen. Für mich habe ich da ganz klar entschieden, auch wenn jede Zeit in Berlin mich lockt… Es geht auch sicher nicht mit jedem Arbeitgeber, da bin ich Coffee Circle sehr dankbar.

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